Marienkirche Velden

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Marienkirche Velden

 

 

 

Zur Geschichte der Marienkirche

Die Marienkirche in Velden fand erstmals im Jahr 912 n. Chr. als karolingische Königskirche urkundlich Erwähnung. In den folgenden Jahrhunderten wurden von dieser Urpfarrei aus zahlreiche Tochterkirchen in den nordöstlich und nordwestlich gelegenen Gebieten gegründet. Von dem Bau aus früher Zeit, der vermutlich noch aus Holz und Lehm bestand, sind keine Reste erhalten geblieben. Den heute ältesten Teil stellt der sogenannte „Alte Turm“  an der Nordseite dar, der im 13. Jahrhundert entstanden ist und nur noch in seinen beiden unteren Geschossen die Zeit überdauert hat. Der Chor, das einschiffige Langhaus und der 38 Meter hohe Westturm wurden Mitte des 14. Jh. erbaut (1611 Einbau der Empore, 1729 Umbau des Innenraums). In katholischer Zeit gehörte die Marienkirche zunächst zum Eichstätter später zum Bamberger Bistum. Bereits 1525 hielt die Reformation Einzug in der Stadt Nürnberg und dem umliegenden Land. Velden wurde evangelisch-lutherisch. In früher Zeit war die Kirche von einem Friedhof umgeben und grenzte an die damalige Stadtmauer an. Reste dieser Stadtmauer sind hinter der Kirche und neben dem Pfarrhaus erhalten geblieben

Marienaltar

Marienaltar

Die Madonna im Strahlenkranz (1,85 m hoch) steht in einem Baldachinaltar. Sie gilt als eine Nürnberger Arbeit aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts. Maria mit dem Kind auf dem Arm ist umgeben von Strahlen, von Engeln bekrönt und steht auf einer abwärts gerichteten goldenen Mondsichel mit silbernem Gesicht. Biblischer Hintergrund für diese Art der Darstellung ist das 12. Kapitel der Johannes-Offenbarung. Im Vers 1 heißt es: "Und es erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf dem Haupt eine Krone von zwölf Sternen."

Maria reicht dem Kind auf ihrem Arm einen Apfel. Der Apfel ist Zeichen für die göttliche Erlösung der Menschen von ihren Sünden. Jesus selbst hält eine Birne in der Hand, die im Mittelalter auf Grund der weißen Blütenfarbe des Birnbaums als Mariensymbol galt.

Die beweglichen Seitenflügel des Altars zeigen die Geburt Jesu und die Anbetung der Heiligen Drei Könige. In der Passionszeit werden der Marienschrein in der Mitte und die äußeren Flügel des Altars geschlossen. Statt der Maria im Strahlenkranz sind dann in der Mitte ein leidender Christus mit Maria und zwei Reihen sich paarweise gegenüberstehende Heilige zu sehen: zwei unbekannte Bischöfe, St. Leonhard und Egidius, Petrus und Paulus, St. Georg und St. Antonius. Wird nur der Schrein des Baldachinaltars um die Marienfigur geschlossen, so werden auf der rechten Seite Bildtafeln von Johannes dem Täufer und Kaiser Heinrich II. und auf der linken Seite von Elisabeth und Kunigunde sichtbar.

 

Reliquiarbüsten

Jungfrauen-Altar

Der Jungfrauen-Altar stammt aus der Nürnberger Schule und wird in spätgotische Zeit datiert (um 1480). Von links aus zu sehen sind:
Margarete (mit dem Teufelsdrachen). Sie stammte aus Antiochien und hat unter Diokletian im Jahre 307 das Martyrium erlitten. Margarete wird immer mit dem Drachen dargestellt, den sie mit Kreuzstab oder Kruzifix besiegt; er bedeutet den Teufel und liegt ihr zu Füssen. Margarete ist Patronin des "Nährstandes", weil ihr Fest (20. Juli) ein wichtiger Merktag für die Bauern war.
Katharina (mit Buch und Rad). Katharina von Alexandrien erlitt um das Jahr 310 den Märtyrertod. Sie gehört zu den ,drei heiligen Madl', von denen der Volksmund sagt: "Margareta mit dem Wurm. Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl." Außer mit dem Rad wird sie in der Kunstgeschichte mit Buch, Schwert und Palme oder Krone dargestellt.
Barbara (mit Kelch und Palmzweig). Nach der Überlieferung stammt sie aus Kleinasien. Ihr Fest ist seit dem 12. Jahrhundert am 4. Dezember. Viele Berufszweige verehren Barbara in der katholischen Kirche als Schutzheilige, darunter die Bergleute, Architekten und alle Arten von Bauarbeitern.
Helena (mit dem Kreuz). Die um 250 geborene Helena war die Mutter von Kaiser Konstantin. Sie starb in Konstantinopel im August des Jahres 329. Ihr Name ist mit der Verehrung des Hl. Kreuzes verbunden. Nach der Legende hat sie das echte Kreuz Christi gesucht und gefunden.
Dorothea (mit Körbchen und Rosen). Dorothea war eine frühchristliche Märtyrerin. Die Legende erzählt, dass sich während ihres Martyriums folgende Begebenheit zutrug: Vor ihrer Enthauptung sprach Dorothea vor einer großen Volksmenge ihre Freude darüber aus, dass sie nun aus einer kalten Welt in ein Land gehen darf, in dem es keinen Winter und keinen Schnee gibt. Ein junger Rechtsgelehrter soll ihr zugerufen haben: "Nun, wenn du in dieses schöne Land kommst, dann schicke mir Rosen und Äpfel aus dem Garten deines Bräutigams." Nach ihrer Enthauptung soll ein engelgleicher Knabe vor den Rechtsgelehrten getreten sein und ihm im Auftrag von Dorothea ein Körbchen voll köstlicher Früchte und duftender Rosen überbracht haben.

Jungfrauenaltar

Kleiner Marienaltar mit den 14 Nothelfern

Anfang des 16. Jahrhunderts wurde der Kleine Marienaltar geschaffen.Maria, wieder im Strahlenkranz, reicht dem Jesuskind eine Birne. Die Marienfigur wird vom Hl. Christophorus (rechts) und einer unbekannten Heiligen (links) umrahmt. Die Predella zeigt Maria mit den 14 Nothelfern.

 

Marienaltar mit 14 Nothelfern

Zwölf-Apostelaltar

Das Reliefbild des Zwölf-Apostelaltars (um 1500) hängt an der südlichen Chorwand. Ursprünglich handelte es sich um einen dreiteiligen Klappaltar, dessen zwei Flügel an die Mittelgruppe von sechs Aposteln angefügt wurde, so dass ein durchgehen- des Reliefbild entstand.

Beichtstühle

Nach lutherischem Verständnis kommt es in der Privat- oder Einzelbeichte im Unterschied zur katholischen Ohrenbeichte nicht so sehr auf das Aufzählen von EinzeIsünden an. Kernstück der lutherischen Beichte war die Abfragung des Katechismusstückes über das Heilige Abendmahl, weil niemand "unverhört" (d.h. ungeprüft) zum Heiligen Abendmahl zugelassen werden sollte. Gemeinsam mit der katholischen Auffassung ist jedoch im lutherischen Beichtverständnis Reue, Buße und Absolution durch den Geistlichen. Von den beiden Beichtstühlen im Chorraum der Veldener Kirche ist der rechte (an der Südwand) der einfachere, aber ältere (vermutlich aus dem 17. Jahrhundert). Der Beichtstuhl an der Nordwand (neben dem Eingang zur heutigen Taufkapelle) stammt aus der Zeit des Hochbarock (um 1720): ein offener Thronsitz mit Baldachin, verkröpftem Gebälk und reich ornamentierten Seitenteilen (in Weiß und Gold gefasst), mit einem Vorderteil, das auf einem steinfarbenen Sockelgeschoß ruht. Nachdem die Privat- oder Einzelbeichte in der Zeit der Aufklärung (um 1800) in Nürnberg und seinem Landgebiet abgeschafft worden ist, verloren damit auch die Beichtstühle ihre Bestimmung. Nicht selten kommt es daher vor, dass ehemalige Beichtstühle in evangelischen Kirchen als "Pfarrstühle" oder "Mesnerstühle" verkannt werden.

Beichtstuhl

Rechts neben dem Kleinen Marienaltar (in der Ecke) Markierung des Hochwasser-Standes im Jahre 1909: 1,49 m. Die früheren Pfarrer von Velden haben regelmäßig Klage geführt über die Gefahren des Hochwassers, die von der nahen Pegnitz besonders im Frühjahr ausgingen und über die Feuchtigkeit der Räume im Erdgeschoß des Pfarrhauses.

Hochwassermarke

Wappenschilder

Über dem Chorbogen hängt seit der großen Renovierung aus dem Jahre 1729 das hölzerne, reich bemalte Wappenschild. Es repräsentiert die enge Verbindung der Stadt und Kirchengemeinde Velden mit der Reichsstadt Nürnberg (seit 1504). In der Mitte dieses Wappenschildes gruppieren sich die drei Nürnberger Stadtwappen, um sie herum die Wappen der (im Jahre 1729) amtierenden fünf Landpfleger (mit Sitz in der Reichsstadt): Holzschuher, Tucher, Stromer, WeIser, Ebner. Zu unterst ist das Wappen des Veldener Pflegers Gabriel Imhoff zu erkennen. – Die Totenschilde an der Südwand des Langhauses sind dem Andenken an verschiedene Pfleger von Velden und Hartenstein gewidmet.
Besonders markant: das Epitaph für den 1626 gestorbenen Pfleger zu Hartenstein – Wolf Philipp von Brand – und seiner Gemahlin (Gestorben am 26. Dezember 1627). Das Hauptbild zeigt die Auferweckung des Lazarus. Darunter die Stifterfamilie. Im Giebel ein weiteres Gemälde: die Auferstehung Jesu.

Grabsteine

Auf der Südseite des Langhauses sind zwei Grabsteine eingemauert:

  • Der Grabstein des Walbram Stör (aus der Zeit um 1380); die Umschrift ist nur noch zum Teil lesbar.
  • Der Grabstein für "Frau Veronika von Egloffstein Anno MCCCCXXX" (1430) mit dem behelmten Egloffstein-Wappen.

Auf der Nordseite ein dritter Grabstein, der allerdings derart verwittert bzw. ausgetreten ist, dass weder das Wappen noch die Umschrift lesbar ist. 

Die Marienkirche zu Velden lädt Sie nicht nur zu kunstgeschichtlichen Betrachtungen ein, sondern zur Stille und Andacht.
Mögen Sie getröstet und mit neuem Lebensmut in Ihren Alltag zurückkehren!